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| Marie KeßlerBesprechung des Titels: Harrisons Innere Medizin Innere Medizin, punktgenau 3.600 Seiten verteilt auf zwei Bände - sie passen in keine Kitteltasche, stehen aber in fast jeder Universitäts- und Klinikbibliothek und immer öfter auch im Bücherregal von Studenten und Hausärzten: "Harrisons Innere Medizin". Das als Standardwerk der Medizin gehandelte Lehrbuch erscheint in diesen Tagen in der 17. Auflage. Erfahrungsgemäß ist die Auflage von 20.000 Exemplaren trotz des stolzen Preises von rund 270 Euro schnell vergriffen. Selbst in den USA, der Heimat der "Internisten-Bibel", verkaufe sich die Printausgabe des Werkes nach wie vor besser als die inzwischen verfügbare Onlineversion, sagt Verleger Axel Bedürftig. Erstaunlich ist, dass in Zeiten zunehmender Spezialisierung ein derart umfassendes Werk geschätzt wird. Norbert Suttorp, Infektiologe an der Berliner Charité und Mitherausgeber, hat dafür eine einfache Erklärung: "Der Harrison ist unglaublich vollständig. Wie kein anderes deutsches Lehrbuch der Inneren Medizin werden hier Zusammenhänge bis ins kleinste Detail und trotzdem klar verständlich dargestellt. Der Leser wird in die Lage versetzt, ein umfassendes Verständnis für Störungen und Krankheiten zu entwickeln." Der rigorose Aufbau des Werkes, nach dem alle Kapitel streng einer einheitlichen Systematik und Didaktik folgen, macht das Buch auch für die Ausbildung von Medizinern wertvoll. Lesehungrige und des reinen Faktenlernens überdrüssige Medizinstudenten sollten deshalb unbedingt zum Harrison greifen. Von der Lektüre des damals ausschließlich im englischsprachigen Original verfügbaren Lehrbuches profitierte übrigens bereits Verleger Bedürftig - als angehender Arzt bei der Examensvorbereitung. Bei einem Vergleich des Originals mit der deutschsprachigen Ausgabe fällt auf, dass es sich um zwei völlig unterschiedliche Bücher handelt. Grund ist ein großzügiger Lizenzvertrag mit dem amerikanischen Mutterverlag, der es den hiesigen Autoren erlaubt, die Kapitelübersetzungen an die Verhältnisse im deutschen Sprachraum anzupassen, zu erweitern und zu aktualisieren. Für die deutschen Autoren bedeutet das Schwerstarbeit: Zusätzlich zur stilsicheren Übersetzung müssen Details in Diagnostik und Therapie wie diagnostische Algorithmen, Laborwerte, Medikamentendosierungen oder Therapieschemata verglichen, angepasst, ergänzt und neu bewertet werden. Veränderungen zum amerikanischen Original stechen durch ihren grauen Hintergrund sofort ins Auge. Dass die vom Charité-Herausgeber-Trio Suttorp, Dietel und Zeitz ausgewählten Experten ganze Arbeit leisten, zeigen positive Reaktionen der amerikanischen Kollegen, die ihre Originalkapitel manchmal sogar um aktuellste Forschungsergebnisse ergänzt finden. Schon am Inhaltsverzeichnis zeigt sich die Stringenz, mit der hier vom Allgemeinen zum Konkreten, vom Leitsymptom zur Erkrankung gegangen wird. Nahezu ein Drittel der Ausgabe nehmen die Kapitel über Infektionskrankheiten ein und setzen damit einen gewichtigen Schwerpunkt - im Gegensatz zu vielen anderen Lehrbüchern der Inneren Medizin, in denen Herz-Kreislauf-Krankheiten das Themenspektrum anführen. Aber auch Themen aus anderen Fachdisziplinen wie der Neurologie, der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde oder der Augenheilkunde, um nur einige zu nennen, werden erschöpfend behandelt. Herausgeber Suttorp möchte die "koronaraggressive" Arbeit an seiner inzwischen dritten Harrison-Auflage nicht missen, auch wenn ein Drittel aller Kapitel über seinen Tisch geht und seine Gründlichkeit ihn nicht nur einen Urlaub gekostet hat. Als Lohn der Mühen steht am Ende die Befriedigung, den Goldstandard der Inneren Medizin für Deutschland vorgelegt zu haben. Das weiß inzwischen auch die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin zu schätzen und gibt der aktuellen Ausgabe erstmals ein Geleitwort mit auf den Weg. kma - Das Gesundheitswirtschaftsmagazin, 11/08 > Übersicht Rezensionen > zurück |